Paulinerkirche Göttingen Papendiek 14 · Altstadt

Ein Rundgang zu den sechs Kirchen der Göttinger Altstadt

Zu Fuß vom Göttinger Bahnhof zu Pauliner, Johannis, Jacobi, Albani, Nikolai und Marien: Strecke, Straßen und was unterwegs zu sehen ist.

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Ein Rundgang zu den sechs Kirchen der Göttinger Altstadt

Sechs mittelalterliche Kirchen liegen in Göttingen so nah beieinander, dass man sie an einem Vormittag zu Fuß besuchen kann, ohne ein einziges Mal einen Bus zu brauchen. Die Strecke, die hier beschrieben wird, beginnt am Bahnhof und endet wieder in seiner Nähe. Dazwischen liegen rund drei Kilometer, gut 40 Minuten reine Gehzeit, und sechs sehr unterschiedliche Bauten: eine Klosterkirche, die längst Bibliothek ist, zwei Marktkirchen, eine Kirche am Wall, eine Universitätskirche und eine Ordenskirche vor dem alten Stadttor.

Die Geschichte der einzelnen Kirchen steht ausführlich im Überblick zu den Kirchen in Göttingen. Dieser Rundgang kümmert sich um das Praktische: welche Straßen man nimmt, wo man stehen bleiben sollte und was man von außen sieht, bevor man eine Tür öffnet.

Die Strecke auf einen Blick

Gemessen sind die Abschnitte als Fußweg auf den kürzesten Straßenverbindungen, gerundet auf zehn Meter:

  • Bahnhof – Paulinerkirche: 620 m über Goethe-Allee und Papendiek
  • Paulinerkirche – St. Johannis: 220 m über die Paulinerstraße
  • St. Johannis – St. Jacobi: 410 m über den Markt und die Weender Straße
  • St. Jacobi – St. Albani: 530 m über Burgstraße, Theaterstraße und Obere Karspüle
  • St. Albani – St. Nikolai: 660 m über Wendenstraße, Mauerstraße, Lange-Geismar-Straße und Nikolaistraße
  • St. Nikolai – St. Marien: 430 m über Groner Straße und Alte-Wollenweber-Weg

Zurück zum Bahnhof sind es von St. Marien noch einmal gut 800 Meter. Wer mit dem Auto oder dem Rad anreist, kann genauso gut an jeder anderen Station einsteigen; die Anfahrt zum Papendiek ist auf einer eigenen Seite beschrieben.

Erste Station: die Paulinerkirche am Papendiek

Vom Bahnhofsplatz geht es nach Südosten in die Goethe-Allee, die vom Bahnhof direkt auf die Altstadt zuläuft und dabei den Leinekanal überquert. Nach knapp 300 Metern biegt man rechts in den Papendiek ab. Das historische Gebäude der Universitätsbibliothek, zu dem die Paulinerkirche gehört, hat seinen Eingang am Papendiek 14.

Zeichnung der Paulinerkirche mit ihren hohen Spitzbogenfenstern

Neben der Kirche lohnt ein Blick in den Akademiehof. Dort sitzt Georg Christoph Lichtenberg, der bucklige Physiker und Aphoristiker der Göttinger Aufklärung, als Bronze zwischen Büchern, ungefähr in Lebensgröße. Der Nienburger Bildhauer Volker Neuhoff schuf die Figur; enthüllt wurde sie am 30. Juni 1992, am Vorabend von Lichtenbergs 250. Geburtstag. Ebenfalls im Hof an der Paulinerkirche steht eine Skulptur nach einem Tonmodell von Günter Grass aus dem Jahr 1982, „Butt im Griff“, die 2004 im Zusammenhang mit einer Ausstellung in der Kirche aufgestellt wurde.

Ob und wann man in den Saal im Obergeschoss hineinkommt, hängt vom Programm der Bibliothek ab; die aktuellen Angaben stehen bei der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen. Auch von außen bleibt der Bau lesbar als die gotische Hallenkirche, die die Dominikaner hier 1304 vollendeten. Wie aus ihr der Festsaal der jungen Universität und schließlich ein Bibliothekssaal wurde, erzählt die Geschichte der Paulinerkirche.

Zweite Station: St. Johannis

Vom Papendiek aus führt die Paulinerstraße nach Osten, und nach gut 200 Metern steht man vor den beiden Türmen von St. Johannis. Es lohnt sich, einen Moment auf dem Johanniskirchhof stehen zu bleiben und nach oben zu schauen: Die Türme sind nicht gleich hoch, und der Unterschied von fünfeinhalb Metern ist von unten gut zu sehen. Der höhere Nordturm trägt den Helm, der nach dem Brand vom Januar 2005 neu aufgebaut wurde.

Zeichnung von St. Johannis mit zwei ungleich hohen Türmen

An der Nordseite der Kirche findet man das älteste Bauteil des ganzen Rundgangs: das Portal der romanischen Vorgängerkirche, die 1272 erstmals erwähnt wird. Es wurde beim Bau der gotischen Kirche erhalten und in die neue Wand eingefügt. Wer hineingeht, sieht eine Kirche, die zwischen 2014 und 2021 zur „Bürgerkirche“ umgestaltet wurde, mit einer liturgischen Ausstattung aus dem Jahr 2018.

Zwischenhalt am Markt

Der Weg zur nächsten Kirche führt über den Marktplatz, und hier lohnt der wichtigste Zwischenhalt des Rundgangs. Vor dem Alten Rathaus steht der Gänselieselbrunnen, das bekannteste Motiv der Stadt. Wichtiger für diesen Rundgang ist aber eine unscheinbare Bronzeplatte im Boden, der Vierkirchenblick. Wer sich darauf stellt und sich langsam dreht, sieht die Türme von St. Albani, St. Jacobi, St. Johannis und der katholischen Kirche St. Michael. Drei davon gehören zu den Stationen dieses Rundgangs, die vierte ist die einzige katholische Kirche unter ihnen und deutlich jünger als die übrigen.

Von hier aus geht es nach Norden in die Weender Straße, die Haupteinkaufsstraße. Nach rund 200 Metern biegt man rechts in den Jacobikirchhof ab.

Dritte Station: St. Jacobi

Den Turm von St. Jacobi hat man schon lange gesehen, bevor man an der Kirche ankommt; mit 72 Metern ist er der höchste der Altstadt. Bevor man hineingeht, lohnen zwei Details außen. Am Westportal ist eine bronzene Jakobsmuschel angebracht, das Zeichen der Pilger nach Santiago de Compostela, und an der Ostseite steht eine Figur des Kirchenpatrons. Den Turm selbst besteigen konnte man zuletzt nicht, ein Brandschutzgutachten stand dem entgegen.

Zeichnung von St. Jacobi mit dem hohen Turm

Innen ist St. Jacobi die farbigste Kirche des Rundgangs. Die geometrische Ausmalung von Pfeilern und Gewölben folgt spätgotischen Befunden und sieht überraschend modern aus. Wer nur Zeit für einen Innenraum hat, sollte diesen wählen.

Vierte Station: St. Albani am Wall

Jetzt verlässt der Weg die Einkaufsstraßen. Vom Jacobikirchhof geht es nach Osten, über die Burgstraße und die Theaterstraße in die Obere Karspüle. Auf diesem Abschnitt wird es merklich ruhiger, und nach gut einem halben Kilometer erreicht man den Albanikirchhof. St. Albani liegt nah an der alten Stadtbefestigung; die barocke Turmhaube, die 1726 den ursprünglichen Helm ersetzte, ist schon von Weitem zu sehen.

Zeichnung von St. Albani mit dem kräftigen Westturm

Unmittelbar neben der Kirche, außerhalb der alten Stadtmauer, liegt der Albanifriedhof, benannt nach der Kirche. Er ist vor allem als Grabstätte von Carl Friedrich Gauß bekannt. Auf demselben Friedhof liegen der Naturforscher Johann Friedrich Gmelin, der Anthropologe Johann Friedrich Blumenbach, der Philosoph und Pädagoge Johann Friedrich Herbart, der Archäologe Otto Jahn und der Philosoph Rudolf Hermann Lotze. Für das Grab von Gauß sollte man sich ein paar Minuten nehmen; der Abstecher kostet kaum zusätzliche Wegstrecke.

In der Kirche selbst steht der Altar von Hans von Geismar aus dem Jahr 1499. Auf der Tafel mit dem Tod Mariens kann man die Apostel zählen. Es sind dreizehn, und der dreizehnte trägt keinen Heiligenschein.

Fünfte Station: St. Nikolai

Von St. Albani führt der längste Abschnitt des Rundgangs nach Süden und Westen. Man geht zunächst durch die Wendenstraße und biegt in die Mauerstraße ein, deren Name an die alte Stadtmauer erinnert. Über die Lange-Geismar-Straße erreicht man schließlich die Nikolaistraße und den Nikolaikirchhof. Insgesamt sind es gut 650 Meter.

Zeichnung von St. Nikolai

St. Nikolai fällt durch ihr Material auf: roter Wesersandstein, deutlich wärmer im Ton als die übrigen Kirchen. Wer die Westseite betrachtet, sieht, dass hier etwas fehlt. Die Kirche hatte einst zwei romanische Türme; nach dem Einsturz des Südturms 1777 entstand ein Westbau ohne Turm, der 1781 geweiht wurde. Seit 1822 ist St. Nikolai Universitätskirche; hier feiern heute die evangelische und die katholische Hochschulgemeinde ihre Gottesdienste.

Sechste Station: St. Marien an der Groner-Tor-Straße

Für die letzte Station geht man über die Nikolaistraße zurück zur Groner Straße und folgt ihr nach Westen. Nach rund 300 Metern biegt man in den Alte-Wollenweber-Weg und steht an der Marienkirche, Groner-Tor-Straße 30. Sie liegt außerhalb der alten Mauer, in der früheren Neustadt.

Zeichnung von St. Marien mit dem Torturm

Hier lohnt es, nicht sofort hineinzugehen, sondern einmal durch den Turm zu laufen. Der Kirchturm von St. Marien ist zugleich ein Torturm: Er verbindet die Groner-Tor-Straße mit der Straße Neustadt. Direkt westlich der Kirche steht der erhaltene Südflügel der Kommende des Deutschen Ordens, dem die Kirche ab 1318 gehörte. Innen fallen die grau-weißen Fenster von Johannes Schreiter auf, die das Licht ganz anders filtern als die farbigen Fenster in St. Jacobi. Orgelfreunde kennen die Kirche wegen ihrer Orgel von 1925/26, die als Meilenstein der Orgelbewegung gilt.

Von St. Marien ist man in gut zehn Minuten wieder am Bahnhof.

Der Rundgang in umgekehrter Richtung

Die Reihenfolge lässt sich ohne Nachteil umdrehen. Wer vom Bahnhof zuerst nach St. Marien geht, ist nach gut 800 Metern an der ersten Kirche und hebt sich die Paulinerkirche und den Markt für das Ende auf. Das hat einen praktischen Vorteil: Der lebhafteste Teil der Strecke, die Weender Straße und der Marktplatz, liegt dann am Schluss, wenn man ohnehin eine Pause einlegen möchte. Der umgekehrte Weg führt über die Groner Straße ins Nikolaiviertel, von dort über die Lange-Geismar-Straße und die Mauerstraße zu St. Albani, dann über die Obere Karspüle zurück in die Innenstadt. Die Abschnitte bleiben dieselben, nur die Lichtverhältnisse ändern sich: Am Vormittag fällt die Sonne auf die Ostseiten, und die Figur des Jakobus an der Ostwand von St. Jacobi ist dann besser zu erkennen als am späten Nachmittag.

Für Orgel- und Glockenfreunde

Der Weg eignet sich auch als Hörrundgang, denn auf drei Kilometern stehen Instrumente aus sehr unterschiedlichen Zeiten. In St. Johannis spielt eine Orgel, die Paul Ott zwischen 1954 und 1960 baute und Rudolf Janke 1999/2000 erweiterte; sie hat vier Manuale und eine rein mechanische Traktur ohne Spielhilfen. St. Jacobi besitzt neben der großen Ott-Orgel ein italienisches Instrument von 1844, gebaut von Vicenzo Ragone in Genua, mit mitteltöniger Stimmung und einem Nachtigallenregister. In St. Albani steht eine Ott-Orgel von 1964 mit 36 Registern auf drei Manualen. Und in St. Marien erklingt die Orgel von P. Furtwängler & Hammer aus den Jahren 1925/26, ein frühes Instrument der Orgelbewegung, die sich am Klang der Barockorgel orientierte.

Auch die Glocken erzählen Geschichte. Die älteste Kirchenglocke der Stadt hängt in St. Marien und wurde 1359 gegossen, daneben eine Glocke von 1464. Die größte hängt in St. Johannis, gegossen 1828 und rund 3.500 Kilogramm schwer; sie läutet bei Beerdigungen. Ganz neu ist dagegen das Geläut von St. Albani. Die vier Bronzeglocken wurden zwischen 2017 und 2019 aufgehängt, nachdem es beim Guss Probleme gegeben hatte; die größte, die Gnadenglocke mit 3.379 Kilogramm, musste ein drittes Mal neu gegossen werden, bevor der Guss Ende 2018 gelang.

Praktische Hinweise für unterwegs

Die Kirchen sind Gemeindekirchen mit eigenem Leben, und ob sie offen sind, richtet sich nach Gottesdiensten und Veranstaltungen. Es ist deshalb sinnvoll, vor dem Rundgang bei den Gemeinden nachzusehen, welche Kirchen an dem geplanten Tag offen sind. Während eines Gottesdienstes oder einer Probe ist eine Besichtigung nicht angebracht; an Sonntagvormittagen ist der Rundgang daher eher etwas für Außenansichten.

Für die Planung hilft ein Blick auf die Abschnitte: Die längsten Wege liegen zwischen St. Jacobi und St. Albani und zwischen St. Albani und St. Nikolai, beide jeweils mehr als einen halben Kilometer lang. Zwischen Paulinerkirche, Johannis und dem Markt liegen dagegen nur wenige Gehminuten. Wer mit Kindern unterwegs ist, kann den Markt mit dem Gänselieselbrunnen als Pause einplanen, bevor der ruhigere zweite Teil beginnt.

Wer weniger Zeit hat, kann den Rundgang halbieren. Paulinerkirche, Johannis, Markt und Jacobi liegen auf einem knappen Kilometer und zeigen die wichtigsten Bauten der Innenstadt. Wer dagegen mehr Zeit hat, sollte am Albanifriedhof länger bleiben oder den Weg zwischen Albani und Nikolai über die Grünanlagen auf dem früheren Wall verlängern. Weitere Ziele in der Nähe der Strecke sammelt der Überblick über die Sehenswürdigkeiten in Göttingen.

Eine Beobachtung zum Schluss, die man unterwegs selbst überprüfen kann: Kaum ein Turm auf diesem Weg gleicht dem anderen. Johannis hat zwei ungleich hohe, Jacobi den höchsten mit hölzernem Aufsatz von 1697, Albani eine barocke Haube von 1726, Nikolai seit 1781 einen Westbau ohne Turm, und bei St. Marien geht man unter dem Turm hindurch.

Häufige Fragen

Wie lang ist der Rundgang zu den sechs Kirchen in Göttingen?

Vom Bahnhof bis zur letzten Station, St. Marien an der Groner-Tor-Straße, sind es rund drei Kilometer, reine Gehzeit etwa 40 Minuten. Zurück zum Bahnhof kommen noch einmal gut 800 Meter hinzu. Mit Besichtigungen sollte man zwei bis drei Stunden einplanen, je nachdem, wie viele Kirchen man von innen sehen möchte.

In welcher Reihenfolge besucht man die Göttinger Kirchen am besten?

Eine praktische Reihenfolge vom Bahnhof aus ist Paulinerkirche, St. Johannis, St. Jacobi, St. Albani, St. Nikolai und St. Marien. Sie führt zuerst ins Zentrum, dann nach Osten zum Wall, nach Süden ins Nikolaiviertel und zuletzt nach Westen, sodass der Weg am Ende nahe am Bahnhof endet.

Wo ist der Vierkirchenblick in Göttingen?

Der Vierkirchenblick ist eine Bronzeplatte auf dem Marktplatz. Von dort sieht man zugleich die Türme von St. Albani, St. Jacobi, St. Johannis und der katholischen Kirche St. Michael. Auf dem Rundgang liegt die Platte zwischen der Johanniskirche und der Jacobikirche.

Kann man den Turm der Jacobikirche besteigen?

Eine Besteigung des 72 Meter hohen Turms war zuletzt wegen eines Brandschutzgutachtens nicht möglich. Wer einen Aufstieg plant, sollte sich vorher bei der Gemeinde erkundigen. Von außen lohnt der Turm in jedem Fall den Blick, am besten von der Weender Straße aus.

Quellen und weiterführende Literatur

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