Paulinerkirche Göttingen Papendiek 14 · Altstadt

Göttingen Sehenswürdigkeiten – Top Tipps für Altstadt, Wall und die Hügel am Stadtrand

Göttingen Sehenswürdigkeiten zu Fuß: Gänseliesel, Altes Rathaus, Junkernschänke, Wall, Bismarckhäuschen, Botanischer Garten und Kunstquartier – mit Tipps.

Göttingen Sehenswürdigkeiten – Top Tipps für Altstadt, Wall und die Hügel am Stadtrand

Göttingen · Altstadt, Wall und Umgebung

Wer in Göttingen Sehenswürdigkeiten sucht, merkt schnell, dass die Stadt ihre Höhepunkte nicht über ein weites Gebiet verteilt. Fast alles Wichtige liegt innerhalb des alten Walls, der die Innenstadt bis heute beinahe vollständig umschließt, und zwischen Markt, Papendiek und Theaterplatz sind es selten mehr als zehn Minuten zu Fuß. Das macht die Stadt angenehm für einen Tagesbesuch, verführt aber auch dazu, an Dingen vorbeizulaufen, die erst auf den zweiten Blick auffallen: eine Jahreszahl an einem Fachwerkbalken, eine Marmortafel neben einer Haustür, ein unscheinbarer Turm am Leinekanal.

Diese Seite ordnet die Sehenswürdigkeiten Göttingens nicht nach Beliebtheit, sondern nach Wegen. Sie beginnt am Markt, folgt den Fachwerkgassen, steigt auf den Wall, macht Station in Gärten, Museen und auf Bühnen und endet bei den Kirchen und den Zielen jenseits des Altstadtrings. Öffnungszeiten ändern sich, Ausstellungen wechseln – sie stehen hier bewusst nicht. Was bleibt, sind Baujahre, Namen und Geschichten, und die sind bei den Göttingen Sehenswürdigkeiten oft interessanter als das, was ein Prospekt in drei Zeilen unterbringt.

Rund um den Markt: Gänseliesel und Altes Rathaus

Der Ausgangspunkt fast jedes Rundgangs ist der Brunnen vor dem Alten Rathaus. Die kleine Bronzefigur eines Mädchens mit Gänsen gilt als Wahrzeichen der Stadt, obwohl sie gar nicht so alt ist, wie viele vermuten. Anfang 1898 schrieb der Magistrat unter Oberbürgermeister Georg Calsow einen Wettbewerb aus. Bis zum 1. Juni 1898 gingen 46 Entwürfe von 40 Künstlern und Architekten ein. Den ersten Preis bekamen Claus Mehs und Hermann Jehs für ein Konzept mit dem Motto „Im Geist der Alten“, den Auftrag aber erhielten die Zweitplatzierten: der Architekt Heinrich Stöckhardt und der Bildhauer Paul Nisse mit ihrem „Gänsemädel“. Im Juni 1901 wurde der Brunnen aufgestellt, im November war er fertig, eine offizielle Einweihung gab es nicht.

Berühmt wurde die Figur durch einen Brauch, der mit der Universität zusammenhängt. Zunächst küssten Studenten das Gänseliesel nach der Einschreibung. Am 31. März 1926 untersagte eine Verordnung, den Brunnen zu erklettern und die Figur zu küssen; ein Jurastudent namens Georg Graf Henckel von Donnersmarck wurde im selben Jahr erwischt, zahlte zehn Reichsmark und scheiterte mit seinen Rechtsmitteln. Durchgesetzt wurde das Verbot danach kaum noch. Heute sind es die frisch Promovierten, die nach bestandener Prüfung hinaufklettern, der Figur einen Kuss geben und oft einen Blumenstrauß hinterlassen. Das schmiedeeiserne Gitter über dem Becken musste deshalb in den Jahren 2000, 2004, 2020 und 2023 instand gesetzt oder teilweise erneuert werden. Was am Brunnen steht, ist übrigens seit 1990 eine Kopie, das Original wird im Städtischen Museum gezeigt.

Hinter dem Brunnen erhebt sich das Alte Rathaus mit Zinnenkranz, Ecktürmchen und Walmdach. Es wirkt eher wie eine kleine Burg als wie ein Verwaltungsbau, und tatsächlich reicht seine Geschichte weit zurück: Dendrochronologische Untersuchungen datieren Hölzer des Kernbaus auf etwa 1270, der nördliche Teil entstand um 1369 bis 1372. Die offene Laube über dem Eingang zur Halle wurde 1402 bis 1404 angefügt, ihre Gewölbe und Sandsteinkonsolen zeigen den Einfluss der Parler-Kunst. Wer hineingeht, steht in einer Halle, die der hannoversche Maler Hermann Schaper bei der Restaurierung zwischen 1882 und 1886 unter Stadtbaurat Heinrich Gerber ausgemalt hat, mit einem Fries aus Wappen von Hansestädten. Daran lässt sich ablesen, worauf die Stadt im 19. Jahrhundert stolz war: Göttingen wurde 1351 erstmals zu einem Hansetag gerufen, zahlte ab 1426 Beiträge und trat 1572 wieder aus.

Seit die Verwaltung 1978 in das Neue Rathaus umgezogen ist, dient das Gebäude vor allem repräsentativen Zwecken, für Trauungen, Empfänge und Ausstellungen im Obergeschoss. Die Gewölbe im Keller sind gotischen Ursprungs und beherbergen ein verpachtetes Restaurant.

Fachwerk in der Altstadt

Zwei Ecken vom Markt entfernt steht an der Barfüßerstraße 5, Ecke Jüdenstraße, das wohl meistfotografierte Haus der Stadt. Die Junkernschänke ist im Kern spätgotisch, ein Vorgängerbau war abgebrannt, und die Hölzer des Neubaus sind auf 1446 datiert. Ihre heutige Gestalt verdankt sie aber einem Umbau von 1547 bis 1549. Der Patrizier Gyseler Schwanenflogel, der das Haus 1541 von der Witwe des Holzschnitzers Bartold Kastrop gekauft hatte und zweimal Bürgermeister war, ließ ein Eckwalmdach aufsetzen, einen reich beschnitzten Erker anbringen und eine Erweiterung nach Westen mit geschnitztem Torweg bauen. An Tor und Erker hängen die Wappen des Ehepaars. Die Schnitzereien zeigen biblische Szenen und Planetengötter; als Schnitzer gilt Jürgen Wasmod der Ältere, der teilweise nach Holzschnitten von Hans Burgkmair arbeitete. Es lohnt sich, eine Weile davorzustehen und die Figuren einzeln abzuzählen.

Altstadtgasse mit Fachwerkhäusern und zwei gotischen Kirchtürmen

Beim Luftangriff am 21. März 1945 wurde der hintere Teil beschädigt, die Schäden wurden nach dem Krieg behoben. Die Fassade wurde 1992 und noch einmal 2007 restauriert, und nach einem Eigentümerwechsel begann 2003 eine große Sanierung, die 2008 abgeschlossen war. Seitdem wechseln Betreiber und Pächter, das Haus ist aber durchgehend Gastronomie geblieben.

Wer die Altstadt nach Fachwerk absucht, sollte außerdem einen Abstecher in die Rote Straße machen. Das Haus Rote Straße 25 stammt von 1276 und gilt als drittältestes dendrochronologisch datiertes Fachwerkhaus Deutschlands, übertroffen nur von zwei Häusern in Esslingen am Neckar. Von außen sieht es unspektakulär aus und taucht in kaum einer Aufzählung der Sehenswürdigkeiten Göttingens auf, gerade darin liegt der Reiz: Ein Bau aus dem 13. Jahrhundert steht hier zwischen Nachbarn, die Jahrhunderte jünger sind, und niemand macht ein Aufheben darum.

Auf diesem Weg fallen auch die Marmortafeln an vielen Fassaden auf. Seit 1874 markiert die Stadt damit die Wohnhäuser von Gelehrten und Studenten, heute sind es rund 320. Wer beim Gehen auf diese Tafeln achtet, bekommt nebenbei einen Überblick, wer in den vergangenen Jahrhunderten in welcher Gasse gewohnt hat. Am Papendiek steht auch die ehemalige Dominikanerkirche, die heute zur Universitätsbibliothek gehört; ihre Geschichte hat eine eigene Seite über die Paulinerkirche Göttingen und ihre Geschichte.

Göttingen Sehenswürdigkeiten auf dem Wall

Der Wall ist kein einzelnes Bauwerk, sondern ein grüner Ring, und er ist der beste Weg, die Altstadt von außen zu verstehen. Herzog Ernst von Braunschweig-Göttingen genehmigte die Befestigung 1362, gebaut wurde daran über Generationen. Nach dem Siebenjährigen Krieg (1757–1762) wurden die Mauern geschleift und der Wall zur Promenade umgewandelt. Von der eigentlichen Stadtmauer ist wenig übrig, ein Mauerturm an der Turmstraße und ein Abschnitt Mauer, der Erdwall dagegen ist fast rundum erhalten und mit Bäumen bestanden. Für Spaziergänger heißt das: Man kann die Innenstadt beinahe vollständig auf erhöhtem Weg umrunden, ohne eine große Straße entlanglaufen zu müssen.

Baumallee auf dem Göttinger Wall im Herbst

An seinem Südrand, vor der Bürgerstraße, wartet eine Sehenswürdigkeit mit großem Namen und kleinem Grundriss. Das Bismarckhäuschen, Bürgerstraße 27A, ist ein vieleckiger Turm von 1447, der zum äußeren Befestigungsring gehörte und den Leinekanal schützte, der die Mühlen der Stadt versorgte. Es ist der letzte erhaltene Turm dieses Rings. Seinen Namen hat er von Otto von Bismarck, der ab 1832 in Göttingen Jura studierte und 1833 rund ein halbes Jahr hier wohnte, nachdem er zuvor in der Roten Straße 27 gelebt hatte. Eine Legende behauptet, man habe ihn wegen Trinkens, Raufens und Rauchens auf der Straße aus der Innenstadt verbannt; belegt ist das nicht. Im Obergeschoss zeigt eine kleine Ausstellung, die das Städtische Museum neu gestaltet und im März 2023 eröffnet hat, ein paar Stationen dieser Episode. Spannender finden viele, wie der Turm heute genutzt wird: Die Stadt vergibt zwei kleine Wohnungen darin kostenlos an Studierende, deren Abschlussarbeiten sich mit dem kulturellen, sozialen oder politischen Leben Göttingens befassen.

Gleich in der Nähe, auf der Stadtseite des Walls, liegen die Lohmühle und die Odilienmühle. Wer hier steht, sieht, wie eng Wasser, Mühlen und Befestigung früher zusammenhingen.

Gärten, Museen und Bühnen am Altstadtring

Im Nordosten der Altstadt öffnet sich der Wall zum Alten Botanischen Garten. Albrecht von Haller gründete ihn 1736, kurz nach der Gründung der Universität, als Hortus medicus für die Medizinerausbildung. Heute umfasst die Anlage etwa fünf Hektar mit mehr als 12.000 Pflanzenarten. Die Gewächshäuser stehen innerhalb des Walls, der historische Garten reicht über ihn hinaus, verbunden durch drei Tunnel unter der Wallkrone. Unter den Häusern fällt das historische Farnhaus auf, das 1857 ursprünglich als Orangerie gebaut wurde. Rund 100.000 Menschen besuchen den Garten jedes Jahr, und an einem Werktagvormittag merkt man davon trotzdem wenig.

Historisches Gewächshaus im Botanischen Garten am alten Wall

Südöstlich davon, am Theaterplatz 11, steht das Deutsche Theater. Am 30. September 1890 eröffnete es als Stadt-Theater, im Volksmund „Theater am Wall“, nach Plänen des Architekten Gerhard Schnitger. Auf dem Giebel sitzt die Muse Thalia. Sein Ruf über die Stadt hinaus geht vor allem auf Heinz Hilpert zurück, der ab September 1950 Intendant war, zuvor das Deutsche Theater in Berlin geleitet hatte und das Haus bis 1966 ganz auf das Schauspiel konzentrierte. Der gläserne Foyeranbau stammt aus der Sanierung von 1981 bis 1984. Wer einen Abend in Göttingen verbringt, findet hier und im Jungen Theater das Programm, das die Stadt als Universitätsstadt erwarten lässt.

Am Ritterplan 7/8 liegt das Städtische Museum im Hardenberger Hof, dem einzigen erhaltenen Adelshof der Renaissance in Göttingen. Der braunschweigische Kanzler Johann von Jagemann ließ ihn 1592 bauen, die Familie von Hardenberg nutzte ihn von 1619 bis 1812 als Stadtsitz. Seit dem 28. November 1897 ist hier das Museum zu Hause, dessen Sammlung zur Stadt- und Regionalgeschichte rund 150.000 Objekte umfasst. Die Gebäude werden seit Jahren saniert und schrittweise umgebaut; Teile wie der Remisenbau sind nicht zugänglich. Den aktuellen Stand und die laufenden Ausstellungen nennt die Website des Städtischen Museums. Hier steht auch das originale Gänseliesel, das 2026 seinen 125. Geburtstag hat.

Zwischen Düsterer Straße, Nikolaikirchhof, Nikolaistraße und Turmstraße ist in den vergangenen Jahren ein eigenes Viertel entstanden. Den Anstoß gaben der Verleger Gerhard Steidl und der damalige Oberbürgermeister Wolfgang Meyer, die das Konzept 2008 vorstellten. Sein Zentrum ist das Kunsthaus in der Düsteren Straße 7, gebaut nach Plänen des Leipziger Büros Atelier ST und am 4. Juni 2021 mit einer Ausstellung der Künstlerin Roni Horn eröffnet. Direkt daneben, in einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus von 1310 in der Düsteren Straße 6, liegt das Günter-Grass-Archiv. Das Haus gehört Gerhard Steidl, betreut wird das Archiv von der Universität, und seit 2015 finden dort Ausstellungen und Veranstaltungen statt. Mit Literaturhaus, Galerie, Buchladen und dem Verlag selbst ist so auf wenigen hundert Metern ein Kunstquartier zusammengekommen, das mit Fachwerkgassen und Sichtbeton gleichermaßen umgeht.

Wer sich für die Universität interessiert, sollte das Forum Wissen einplanen. Das Museum, im Juni 2022 im Gebäude des 1879 eröffneten Naturhistorischen Museums eingerichtet, zeigt über 1.500 Objekte aus mehr als 70 Sammlungen der Universität. Es erzählt nicht nur von Erfolgen der Forschung, sondern ausdrücklich auch von Irrwegen. Ein paar Schritte weiter fragt man sich dann womöglich, warum gerade in dieser Stadt so viele Nobelpreisträger gelebt haben. Eine Antwort darauf gibt der Stadtfriedhof weiter unten.

Kirchen der Altstadt und die Paulinerkirche

Der Blick über die Dächer der Altstadt wird von Kirchtürmen bestimmt. Der Westturm von St. Jacobi ist mit 72 Metern das höchste Bauwerk innerhalb des Walls; die gotische Hallenkirche entstand zwischen 1361 und 1433, der Turm in den letzten Jahren dieser Bauzeit. St. Johannis steht direkt hinter dem Rathaus und ist mit ihrem Turmpaar vom Markt aus nicht zu übersehen. Dazu kommen St. Albani am Albanikirchhof, St. Marien an der Groner-Tor-Straße und St. Nikolai, die Universitätskirche. Wer die Gotteshäuser nacheinander besuchen möchte, findet die Bauten, ihre Ausstattung und ihre Geschichte ausführlich unter Kirchen in Göttingen, und eine praktische Laufroute mit Straßennamen im Beitrag Ein Tag, sechs Kirchen.

Gotische Kirchtürme über den Dächern der Altstadt

Eine Sonderrolle spielt die Paulinerkirche am Papendiek 14. Die Dominikaner durften sich 1294 in Göttingen niederlassen, 1304 war ihre Hallenkirche fertig, die älteste unter den gotischen Hallenkirchen der Altstadt. Am 24. Oktober 1529 hielt Pfarrer Friedrich Hüventhal hier den ersten regulären evangelischen Gottesdienst der Stadt, und am 17. September 1737 wurde in dieser Kirche die Universität feierlich eingeweiht. Nach einem Umbau unter Jérôme Bonaparte, der 1812 abgeschlossen war, diente der obere Teil als Bibliothekssaal. Heute gehört das Gebäude zur Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek, die den Saal für Vorträge und Ausstellungen nutzt. Wer wissen will, welche Ausstellungen dort zu sehen waren, findet sie in der Übersicht der historischen Ausstellungen in der Paulinerkirche. Ob und wann der Saal zugänglich ist, steht auf der Website der SUB Göttingen.

Eine Kuriosität am Rand: Nach Angaben der Universität installierten Carl Friedrich Gauß und Wilhelm Weber 1833 einen elektromagnetischen Telegrafen, der von der Paulinerkirche zur Sternwarte reichte. Man kann die Strecke heute ablaufen, nur ist von der Leitung natürlich nichts mehr zu sehen.

Top-Ziele außerhalb des Altstadtrings

Zwei Orte liegen außerhalb des Walls und gehören trotzdem zu den Top-Zielen jeder ernsthaften Liste. Der erste ist der Bismarckturm auf dem Kleperberg im Osten der Stadt. Der Grundstein wurde am 28. Juni 1892 gelegt, eingeweiht wurde der Turm am 18. Juni 1896. Der sechseckige Hauptbau ist 21 Meter hoch, der angesetzte runde Treppenturm 31 Meter. Von oben reicht der Blick über die Stadt und das Leinetal, nach Westen zum Hohen Hagen mit dem Gaußturm und nach Nordosten bei klarer Luft bis zum Harz. Wer den Aufstieg zu Fuß über den Hainberg macht, verbindet den Turm leicht mit einem Waldspaziergang.

Der zweite ist der Stadtfriedhof an der Kasseler Landstraße, dessen erster Teil am 15. Dezember 1881 eingeweiht wurde. Er ist so etwas wie ein stilles Register der Göttinger Wissenschaftsgeschichte. Neun Nobelpreisträger liegen hier: Max Born, Manfred Eigen, Otto Hahn, Max von Laue, Walther Nernst, Max Planck, Otto Wallach, Adolf Windaus und Richard Zsigmondy. Daneben finden sich die Gräber von David Hilbert, Felix Klein, Karl Schwarzschild, Wilhelm Weber, Friedrich Wöhler, Ludwig Prandtl und Lou Andreas-Salomé. Ein Name fehlt, den viele hier erwarten: Carl Friedrich Gauß ist auf dem Albanifriedhof bestattet.

Wer mehr über die Göttinger Sternwarte und ihre Astronomen lesen möchte, findet die Geschichte im Beitrag über Tobias Mayer und die Göttinger Sternwarte. Und zur Aula am Wilhelmsplatz, die die Universität 1837 zu ihrem hundertjährigen Bestehen einweihte, ist es vom Markt aus nur ein kurzer Weg.

Tipps für die Reihenfolge

Ein paar praktische Tipps aus der Erfahrung vieler Rundgänge. Wer früh am Morgen startet, hat den Markt fast für sich, und die Marmortafeln an den Hauswänden lassen sich ohne Gedränge lesen. Zu den einfachsten Tipps gehört dieser: Für die Junkernschänke lohnt es sich, ein Fernglas oder eine Kamera mit Zoom mitzunehmen, denn viele Schnitzereien sitzen hoch am Erker. Der Wall lässt sich gut in zwei Hälften teilen: morgens der südliche Teil mit Bismarckhäuschen und Mühlen, nachmittags der nördliche zum Botanischen Garten und zum Theater. So bleiben die Top-Adressen der Altstadt dazwischen, und man läuft keinen Weg doppelt.

Es kann vorkommen, dass am Brunnen plötzlich eine kleine Gruppe mit Blumen auftaucht und jemand über das Gitter hinaufklettert. Das ist kein Anlass zur Sorge, sondern eine bestandene Promotion. Wer zuschaut, sieht das Gänseliesel genau so, wie es seit Jahrzehnten gemeint ist: als Teil eines Brauchs, nicht als Denkmal hinter Absperrungen.

Bei Regen funktioniert die Stadt anders. Dann rücken das Forum Wissen, das Städtische Museum und das Kunsthaus nach vorn, und die Gewächshäuser im Botanischen Garten bieten eine trockene, warme Alternative. Wer dagegen bei klarem Wetter kommt, sollte den Bismarckturm nicht auf den letzten Abend verschieben; der Weg den Hainberg hinauf dauert länger, als die Karte vermuten lässt.

Und schließlich: Die Sehenswürdigkeiten Göttingens sind keine Kulisse, sondern gehören zu einer Stadt mit vielen Studierenden. Das Kunstquartier, die Theater und der Markt leben davon, und wer in Göttingen Sehenswürdigkeiten abseits der Saison besucht, erlebt sie mit ihrem eigentlichen Publikum. Wer sich in Göttingen Sehenswürdigkeiten vornimmt und dazwischen eine Stunde in einem Café an der Barfüßerstraße sitzt, hat am Ende vermutlich mehr gesehen als jemand, der die Liste in einem Zug abarbeitet. Wie man von außerhalb zum Papendiek kommt, beschreibt die Seite Lageplan und Anfahrt.

Häufige Fragen

Welche Sehenswürdigkeiten in Göttingen lassen sich an einem Tag zu Fuß erreichen?

Die Altstadt ist kompakt genug für einen Tag. Gänseliesel, Altes Rathaus, Junkernschänke, die Kirchen St. Johannis und St. Jacobi, die Paulinerkirche am Papendiek und das Kunstquartier an der Düsteren Straße liegen innerhalb des Walls. Der Alte Botanische Garten und das Deutsche Theater grenzen direkt an den Ring. Nur für den Bismarckturm auf dem Kleperberg und den Stadtfriedhof an der Kasseler Landstraße braucht man Bus, Rad oder deutlich mehr Fußweg.

Warum küssen Doktoranden das Gänseliesel?

Ursprünglich küssten Studenten die Bronzefigur nach der Immatrikulation. Am 31. März 1926 verbot eine Polizeiverordnung, den Brunnen zu erklettern und die Figur zu küssen. Das Verbot blieb formal bestehen, wurde aber kaum durchgesetzt. Heute sind es frisch promovierte Doktorandinnen und Doktoranden, die nach bestandener Prüfung hinaufsteigen, der Figur einen Kuss geben und oft Blumen hinterlassen. Zum 100. Geburtstag 2001 hob der Rat das Verbot für einen Tag offiziell auf.

Steht am Markt das originale Gänseliesel?

Nein. Seit 1990 steht auf dem Brunnen vor dem Alten Rathaus eine Kopie. Die originale Bronzefigur, die Paul Nisse 1901 nach dem Entwurf des Architekten Heinrich Stöckhardt geschaffen hat, wird seitdem im Städtischen Museum am Ritterplan aufbewahrt, geschützt vor Wetter und vor dem studentischen Brauch, der der Figur über die Jahrzehnte zugesetzt hat.

Kann man den Turm der Jacobikirche besteigen?

Der Westturm von St. Jacobi ist mit 72 Metern das höchste Bauwerk der Göttinger Altstadt. Nach der Schließung während der Corona-Pandemie wurde für Turmbesteigungen ein neues Brandschutzgutachten nötig, seitdem sind sie nicht mehr möglich. Wer einen Blick über die Dächer sucht, weicht auf den Bismarckturm auf dem Kleperberg aus, dessen obere Plattform den Blick über Stadt und Leinetal freigibt.

Wo liegen in Göttingen die Gräber der Nobelpreisträger?

Auf dem Stadtfriedhof an der Kasseler Landstraße, am Rand von Grone. Dort sind neun Nobelpreisträger begraben, unter ihnen Max Planck, Otto Hahn, Max Born und Max von Laue, außerdem Mathematiker wie David Hilbert und Felix Klein. Carl Friedrich Gauß liegt dagegen nicht dort, sondern auf dem Albanifriedhof.

Quellen und weiterführende Literatur

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